Was wäre, wenn wir keine Angst mehr vor Gott hätten?

8. April 2009

Am Sonntag habe mich seit langem mal wieder gepredigt. Das Thema (das ich nach der Predigt festlegte) war „Gott ist gut – allezeit!“ Da gibt es ja auch ein Lied dazu und wer weiß nicht, dass Jesus voller Liebe, gut, ermutigend, treu, zu uns stehend, vergebend, … ist. Jeder weiß das. Zumindest können wir all diese Dinge nennen wenn uns jemand fragt, wie Jesus zu uns ist.

Trotzdem war es im Raum totenstill, als ich meine Frage stellt. Was war geschehen? Ich hatte von meinen Kämpfen uns Sorgen erzählt, von meinen Herausforderungn mit meiner Arbeitslosigkeit, dem Kampf um die Nutzungsänderung usw. Obwohl ich wußte, wie gut Jesus ist, habe ich mir Sorgen gemacht und an Gottes Treue gezweifelt. In meinem Kopf habe ich von Jesus ein gutes Bild, aber im meinem Herzen ganz oft Zweifel. Schließlich ist Gott ja auch gerechter Richter, König, allwissend, zornig, heilig,… Was nun, wenn ich all die Herausforderungen und Probleme zu recht habe, weil Gott mich prüft, oder mich sogar straft für ein Vergehen / einen Fehler.

Mir hat es geholfen zu sehen, dass Gott Liebe ist (1Joh 4,16: Und wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat. Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm). Und weil das so ist, dürfen wir in die Bibel schauen und suchen, was die Bibel den über die Liebe sagt – und dann für das Wort Liebe das Wort Gott einsetzen. Ich mach das hier mal:

1.Korinther 13,4-7:
4 Gott ist langmütig, Gott ist gütig; er neidet nicht; Gott tut nicht groß, er bläht sich nicht auf,  5 er benimmt sich nicht unanständig, er sucht nicht das Seine, er läßt sich nicht erbittern, er rechnet Böses nicht zu,  6 er freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sondern er freut sich mit der Wahrheit,  7 er erträgt alles, er glaubt alles, er hofft alles, er erduldet alles.     Wow!

Dann meine Frage:  Was wäre, wenn wir keine Angst mehr vor Gott hätten? Totenstille! Darf man so etwas überhaupt fragen? Ich merke, wie ich – obwohl schon 17 Jahre Christ – mich immer wieder dabei ertappe, Angst vor Gott zu haben und denke, er meint es nicht gut mit mir. Doch genau das Gegenteil ist er Fall. Es gibt noch viel zu entdecken!

Wer sich die Predigt anhören möchte, findet sie hier: http://oasedeslebens.de/mat/predigten/2009.04.05_Gernot_Rettig_Gott_ist_gut_allezeit.mp3


06 Leitungsgabe

9. März 2009

Wir hatten letzte Woche ein sehr interessante Diskussion mit der Frage: ist jeder Älteste ein Leiter? Oder noch genauer: Was ist ein Leiter? Zwei Worte aus dem NT bieten sich an, genauer betrachtet zu werden: proistemi und kybernesis.

Röm 12,8: “…es sei, der ermahnt, in der Ermahnung; der mitteilt, in Einfalt; der vorsteht, mit Fleiß; der Barmherzigkeit übt, mit Freudigkeit.“ 
Hier geht es um das Wort proistemi (vorstehen), das wir so auch in der Beschreibung der Ältesten und Diakone bei Timotheus finden. Sie sollen ihrem Haus gut „proistemi“.

Das andere Wort findet sich in 1Kor 12,28: “Und die einen hat Gott in der Gemeinde eingesetzt erstens als Apostel, zweitens <andere> als Propheten, drittens als Lehrer, sodann <Wunder->Kräfte, sodann Gnadengaben der Heilungen, Hilfeleistungen, Leitungen, Arten von Sprachen.“
Im griechischen heißt das Wort kybernesis (leiten) und bedeutet so viel wie: ein Schiff steuern. Manchmal wird es an dieser Stelle mit Verwaltung / verwalten übersetzt.

Wenn wir uns nun die Funktion eines Ältesten ansehen, dann finden wir dabei eine ganze Reihe von Aufgaben:

  • untadelig sein
  • Mann einer Frau – verheiratet und treu – kein Ehebrecher
  • nüchtern und besonnen
  • anständig (ehrbar)
  • gastfreundlich
  • nicht der Trunkenheit ergeben – keinerlei Abhängigkeiten
  • nicht gewalttätig
  • nicht nach schändlichem Gewinn strebend, nicht geldgierig
  • gütig
  • nicht streitsüchtig
  • einer, der seinem eigenen Haus gut vorsteht,
  • kein Neuling, damit er nicht aufgeblasen werde und dem Gericht des Teufels verfalle.
  • Er muß aber auch ein gutes Zeugnis haben von denen außerhalb der Gemeinde , damit er nicht der Lästerung und der Schlinge des Teufels verfalle.
  • In dieser Aufzählung finden sich vor allem Charakterzüge. Dort, wo es um „Leitung“ geht – proistemi -, da geht es nicht um das „Vorstehen“ an sich, sondern um die gute Frucht, die ein Ältester hervorbringen soll, wenn es um seine Familie geht.
    Die einzige Gabe als Voraussetzung an einen Ältesten findet sich in Tit 1,9, nämlich dass er lehren können soll.

    Nicht jeder Ältester ist also automatisch ein Leiter. Aber jeder Ältester soll ermutigen, auferbauen, ermahnen, eine weise Personen sein, ohne zu herrschen, soll Rat geben.

    Ich sage nicht, dass es sich auschließt, dass ein Ältester leiten soll!
    Aber es muss es nicht! Vielmehr sollen diejenigen leiten, die dazu von Gott befähigt wurden, indem sie die Gabe der kybernesis bekommen haben. Oder aber die Gabe des proistemi. Diese Gabe kann aber auch bei Menschen vorkommen, die noch nicht das „Alter“ eines Ältesten erreicht haben – und auch sie können leiten (warum sonst sollte Paulus Timotheus ermutigen, in 1Tim 4,12: „Niemand verachte deine Jugend, vielmehr sei ein Vorbild der Gläubigen im Wort, im Wandel, in Liebe, im Glauben, in Keuschheit! „).

    Könnte es sein, dass es bei der Funktion eines Ältesten vielmehr um Vorbild, Ratgeber, Streitschlichter, Ermutiger, Ermahner und Tröster ohne zu herrschen geht? Und weniger darum den anderen zu sagen, was sie tun und lassen sollen? Darin zeigt sich die Aufgabe, Veranwortung zu übernehmen.
    Insgesamt können wir aus den Briefen des Paulus’ erkennen, dass jeder Verantwortung für den nächsten hat, aber die „Älteren“ oder „Ältesten“ mehr, weil sie die Fähigkeit dazu mitbringen, wenn man viele Jahre in Hingabe und Demut im Glauben gelebt hat.

    Aber leiten, das sollen die mit der Gabe der Leitung. Gerne können das die Ältesten sein – müssen es aber nicht. Wie das gehen kann, darüber muss ich mir nochmals Gedanken machen!


    05 Leitungsgabe

    6. März 2009

    Warum hat die Gabe der Leitung häufig eine gesonderte Stellung im Vergleich mit anderen Gaben? Ob es nun „die gesalbte Gabe“ ist und jeder auf diese Person hören sollte/muss, oder man hinter jeder Aussage, die Richtung gibt, „Hierarchie“ wittert, warum sind wir in der Wahrnehmung der Leitungsgabe häufig extrem?

    Ich habe so eine Vorstellung, einen Idee, einen Traum: So wie es völlig normal ist, dass ein Diener dient oder ein Prophet prophezeit oder ein Geber gibt, so sollte völlig normal werden, dass ein Leiter leitet. Ohne sich auf ein Amt oder eine Stellung berufen zu müssen. Ohne sich profilieren zu müssen. Ohne den Verdacht zu erwecken, etwas durchdrücken, an sich reißen, andere übervorteilen zu wollen.
    Es geht nicht um Position, sondern um Funktion.
    Gott gebraucht eben Menschen, um mit ihnen Reich Gottes zu bauen. Aber leider haben wir Menschen zu oft in der Vergangenheit (und auch noch heute) die Gabe der Leitung missbraucht, dass wir unser Reich gebaut haben. Manche nennen es auch Empire. Ein heftiges Wort, das leider häufig zutrifft.

    Ich denke es würde unseren Gruppen und Gemeinde gut tun, wenn die Gabe der Leitung wieder so zum Einsatz kommt, wie die anderen auch, nämlich:
    - dann, wenn sie gebraucht wird
    - um Reich Gottes zu bauen
    - um dem Leib zu dienen
    - um Richtung und Vision zu vermitteln
    - um Sicherheit zu geben
    …aber nicht, um etwas besonderes zu sein.

    JC sagte: Mk 9,35b: Wenn jemand der Erste sein will, soll er der Letzte von allen und aller Diener sein.


    04 Älteste – die Briefe des Paulus’

    6. März 2009

    Wie wird heute vorgegangen, wenn es Probleme in der Gemeinde gibt? Die Ältesten setzen sich zusammen und suchen nach Lösungen. Wenn es sich um große Probleme handelt, dann mischt sich unter Umständen auch mal ein Apostel/der Apostel ein.

    Genau aus diesem Grund sind ja einge der paulinischen Briefe entstanden. Es gab Probleme in der Gemeinde, und er als Gründer der Gemeinde und Apostel schrieb einen Brief, um den Ältesten zu sagen, wie sie mit der Problematik umgehen sollten. Genau! Wirklich?

    Nein, so denken wir vielleicht, aber tatsächlich ist kein Brief an irgendeine Leiterschaft adressiert. (Timotheus und Titus waren junge Leiter aus dem apostolischen Team des Paulus’ und er gab ihnen Rat für ihren Dienst und nicht so sehr für den Umgang mit Problemen in der Gemeinde.)

    Die Briefe sind an die Gemeinden geschrieben. Paulus nimmt alle Gemeindeglieder ins Gewissen, dass sie gemeinsam ihre Probleme lösen. Wie es scheint gibt es nicht in allen Gemeinde Älteste, sondern nur in manchen. Alle sind gefragt, das sind doch mal extrem flache Strukturen, oder? Und ist doch klar, dass ganz automatisch diejenigen mehr gehört werden, die aufgrund ihrer Reife und ihreres Lebenstils schon gezeigt haben, dass sie gute Frucht im Glauben hervorbringen. Das ist unabhängig von einem Ältestenamt aber abhängig von der Person. Das gefällt mir, ist viel natürlicher.
    Das einzige mal, das Paulus Älteste erwähnt, ist in Philipper. Und das spricht auch wieder dafür, dass er seine Briefe an die gesamte Gemeinde geschrieben hat. Denn zuerst wird die Gemeinde genannt, dann erst die Leiter. Wenn es Leiter gab, dann hat er sie u.U. eben auch ganz bewußt angesprochen.

    Ich finde das sehr spannend, denn daraus ergeben sich Fragen:
    - Wie geht das, dass eine komplette Gemeinde, also alle, Entscheidungen gemeinsam treffen?
    - Wie kommt es zur Entscheidung? Doch hoffentlich nicht demokratisch!
    - Wie schafft man es, junge Christen mit dieser Verantwortung nicht zu überfordern?
    - Wie werden Entscheidungen getroffen, wenn eine Gemeinde schon eine gewisse Komplexität entwickelt hat, z.B. Dienstbereiche u.ä., in die gar nicht mehr alle Gemeindeglieder integriert sind?

    Ich würde mich über Kommentare und Meinungen freuen!


    03 Älteste – Amt oder Person? – Position oder Funktion?

    6. März 2009

    Als Gruppe sind wir gerade dabei herauszufinden, wie unsere Leitungsstrukturen aussehen (sollen). Ja, hätte man eigentlich schon früher machen müssen, aber wenn sich so viel wie bei uns in so kurzer Zeit verändert, dann muss man sich eben auch mal zwischendurch Zeit nehmen, um sich neu zu orientieren.

    Gehen wir einmal davon aus, dass Älteste einfach ältere Männer waren, die von der Gemeinde als reife, demütige, verantwortungsbewußte Brüder wargenommen wurden. So scheint zumindest die Beschreibung der Kandiaten zu sein, die wir in 1.Tim und Titus finden. Das würde auch Sinn machen, denn in allen neutestamentlichen Personalien geht es um das Herz der Menschen und nicht um ihre Position. Was wiederum gegen heute gängige Praxis spricht, dass Älteste automatisch mehr Salbung, mehr Weisheit, mehr Autorität usw. besitzen. Ein Beispiel: Viele glauben, das Heilungsgebet eines 30jährigen Ältesten hat mehr Kraft (weil er Ältester ist) als das Gebet eines reifen, 60jährigen Christen, der durch sein Leben gezeigt hat, dass er die Frucht des Geistes hervorbringt.

    Überlege doch einmal in deinem Umfeld: Kennst du solche junge dynamische Leute, die Älteste sind – und reife demütige Christen, die keine Älteste sind. Wem vertrauen wir mehr? Wen würden wir eher beten lassen? Was sind unsere Gedanken bei diesen Leuten? Macht das „Ältestenamt“ den Unterschied?

    Bitte nimm diesen Blog nicht als theologisch ausgereift, sondern siehe ihn als Anstoß zur Diskussion. Ich freue mich auf Kommentare!

    Mehr Gedanken zum Thema Älteste in den nächsten Tagen.


    02 Frommei vs. Fromminator

    6. März 2009

    Bin heute beim Aufräumen meines Büros auf „uralte“ Unterlagen gestoßen, die man einfach der Welt mitteilen muss:

    Wer erinnert sich noch an die ganzen Warmduschersprüche aus den Neunzigern?
    Hier eine paar Sprüche über Frommeier:
     Netto-Lohn-Zehnter-Spender
     Geistliche-Nahrung-vom-christlichen-Kalender-Bezieher
     Jede-christliche-Zeitschrift-Abonnent
     Jeden-Übernächsten-Lieber
     Warmwasser-Täufling
     Biebel-mit-ie-Schreiber
     Hahn-nach-zweimal-krähen-Zubinder
     True-love-waits-mit-10Jahren-Unterschreiber
     Nur-Christen-als Freunde-Haber
     Predigt-immer-für-andere-Anwender
     Christliche-Bücher-als-Bibelersatz-Leser
     Plüschkreuz-auf-sich-Nehmer

    Das Gegenteil davon ist der Fromminator:
     Wodka-Redbull-in-Abendmahltraubensaft-Mischer
     Im-Brüderverein-Zungenredner
     Nur-mit-lebendigem-Wasser-Faster
     Glaube-wie-Maiskorn-Haber
     Nur-Bibel-im-Urtext-Leser
     Bei-jedem-Problem-Bibelstellen-Zitierer
     Dritte-Backe-Hinhalter
     7-hoch70-mal-Sünden-Vergeber

    Soweit mal, es gibt noch einige mehr Sprüche! Viel Spaß!

    Mit freundlicher Unterstützung von: http://www.jesusrulez.de/texte/humor/frommei.htm


    01 Schamkultur

    6. März 2009

    Ja, in Ostdeutschland herrscht die Schamkultur, und heute durfte ich das am eigenen Leib spüren

    Nachdem wir als Verein Aufwind e.V. bei einem Sportfest mitmachten, wollte der Hausmeister nochmals kurz mit allen Verantwortlichen reden. Sein Punkt war, dass ihm die Sicherheitsvorkehrungen zu wenig beachtet wurden und dann zu mir „…vor allem du mit deinem Sohn, wie stark ihr euch die Bälle zugeworfen habt, dass da nichts passiert ist, ist reines Glück“. Autsch, das saß. In einer Runde mit allen Verantwortlichen weißt mich dieser Typ zurecht. Kurz zuvor hatte ich mich persönlich mit ihm wegen einer anderen Sache unterhalten. Da hätte er ja schon etwas sagen können. Dazu hatte ich ihn gesiezt. Nein. Schamkultur weißt bewußt in der Gruppe zurecht, um zu beschämen. Soll gleich jeder wissen, wie das hier läuft. Und es hat geklappt. Werde mir nächstes mal besser überlegen, wie was gesehen werden und was daraus entstehen kann.

    Bin doch wieder überrascht, wie sehr wir von unserer Kultur geprägt sind und wie wir Dinge als gut und richtig oder schlecht und falsch erleben.


    Hallo an alle

    6. März 2009

    Hallo an alle, werden meinen bisherigen blog hierher umziehen. Ihr werdet mich also in Zukunft hier antreffen, wenn ich über meine neuesten theologischen Erkenntnisse referiere oder komische Vorschläge mache oder dumme Fragen stelle. Freue mich schon darauf, von euch zu hören.

    Zuerst findet ihr meine alten Artikel, dann kommen bald die neuen!